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Klosterkirche Oberelchingen
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Tag 8 Jakobusweg Ansbach -Oberdischingen: " Donauried und Donautal" Langenau - Ulm

Distanz: 20 km
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St. Martin
Ulmer Münster

Oberelchingen: Vor 1120 gegründetes Benediktinerkloster. Brände von 1395, 1430 und 1469 zerstörten alle Quellen. Seit 1485 reichsunmittelbar, allerdings hatte die freie Reichsstadt Ulm ein Aufsichtsrecht. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1644 blühte die Wallfahrt zur „Maria von den sieben Schmerzen“ auf. Die 1142 errichtete 60 Meter lange romanische Klosterkirche wurde von Joseph Wannenmacher ausgemalt (siehe auch im folgenden Thalfingen). Die hiesige Klosterkirche brannte 1773 tw. ab, der Turm stürzte ein. Baumeister war Joseph Dossenberger, Altäre und Skulpturen schuf Johann Michael Fischer, Januarius Zick malte das Altarbild und die Deckenfresken. Bis 1840 wurde fast die ganze Klosteranlage abgebrochen. Pilger aus dem Fränkischen und der Gegend um Heidenheim sind im Mirakelbuch des Klosters bekannt und die Weinberger Bruderschaft (siehe Tag 2) wurde 1759 nach Oberelchingen eingegliedert.

Durch die Schlacht v. Elchingen war der Ort 1805 bekannt geworden, als napoleonische Truppen unter Marschall Ney die österreichische Vorherrschaft brach, was zur Gebietsneuordnung unter anderem in Bayern und Württemberg führte.

Thalfingen: Die St. Laurentiuskirche geht auf einen Holzbau aus merowingischer Zeit zurück, während aus karolingischer Zeit die 60 cm starken Mauern stammen. Aus einer dritten ottonischen Bauphase sind die 90 cm starken Mauern. Im 12. Jahrhundert wurde nach einem Brand ein Chorbogen eingezogen. Die fünfte spätgotische Kirche brannte dann im Dreißigjährigen Krieg nieder. Heute sehen wir die sechste Kirche, die 1751/52 grundlegend renoviert wurde mit Stukkaturen aus der Wessobrunner Schule und einem Gemäldezyklus (Wannenmacher). In der Eckkartusche des Chores finden wir einen Pilger in bewegter nächtlicher Welt, über ihm ein reicher Sternenhimmel. Bedenkt man die lange Geschichte dieser Kirche, versteht man das theologische Konzept: Lasse dich nicht entmutigen, durch die Bedrängnisse dieser Zeit. Schau auf das Ziel – „Ultreja“.

Ulm: Wieder kommen wir zum Pilger Hans Waltheym aus dem 15. Jahrhundert: „Vff sontag palmarum re(i)ten wir vff Vlm, ii mile. Der werd (Wirt) heisset Henßeleyn Meyer vnd die herberge heisset zcu der Glocken. Do h(ö)rten wir das ampt, vnd das ist die groste pfarkerche, die ich ye gesehen habe. Sagitte mir der wird, das das sacrament hüß an deme kore hette sechstehalp thusent gulden gekost. Do assen wir zcu mittage.“ [1]

Hier an der Donau treffen sich Bayern und Baden-Württemberg. Neu-Ulm war einst zu Ulm gehörig, ein gewaltiger reicher Ort, Zentrum des Handels, aber auch des Pilgerns. Wenn der Pilger das gotische Münster betrat [2] sah er in katholischer Zeit 60 Altäre, geschaffen von den größten Meistern dieses Kulturzentrums. Gestühle, bunte Glasfester füllten den gewaltigen Kirchenraum, bis der Bildersturm 1531 einen entsetzlichen kulturellen Verlust der Stadt brachte. 4 Altäre im Münster besaßen bis dahin Jakobus als Mit-Patron. Auch die Jakobus-Kapelle auf dem Markt wurde zerstört. An den Wappen-Malereien des Alten Rathauses in Ulm sehen wir Heutigen noch, welche Handelsbeziehungen, auch bis nach Spanien, die Stadt einst unterhielt.

Das Augustiner-Chorherrenstift St. Michael, seit 1215 auf der Blauinsel zu den Wengen und 1399 in die Stadt verlegt nahm sich, genau wie die Deutschherren, den Pilgern an.

Auch der 1502 verstorbene Dominikanermönch Felix Fabri unternahm manche Pilgerfahrt, darunter um 1480 ins Heilige Land, was er auch literarisch für die Dominikanerinnen in Ulm verarbeitete. So konnten die Nonnen diese Reise sowohl touristisch, aber auch geografisch oder spirituell zumindest vor ihrem geistigen Auge nachvollziehen. In seiner Wegbeschreibung von Ulm nach Santiago machte er in Süddeutschland viele Umwege [3] nennt Kirchen und Klöster, beschreibt also seine „Geistliche Pilgerfahrt“.

 

[1] Herbers, Klaus:

[2] Kaiser, Jürgen: Jakobswege in Deutschland (2006)

[3] Fleischer Gerhilde: Jakobsweg II, Ulm – Bad Waldsee (2008), Auszug

Wegbeschreibung

Über Felder geht es unter der Autobahn hindurch in Richtung Oberelchingen, dann weiter im Verlauf der Hauptwanderwege 2/44 durch die Schammenhöfe über den Schammenbach. Wir überschreiten unmerklich die bayerische Landesgrenze, gehen über die Autobahnbrücke und etwas weiter nach links. An einer Informationstafel vorbei kommen wir von hinten an das Kloster Oberelchingen und gehen zur Klosterkirche (daneben Brauereigasthof. Ab hier [1] praktisch bis zum Bodensee, gehen wir nun auf dem Weg der Deutschen Jakobusgesellschaft, der goldenen Muschel mit gekreuzten Pilgerstäben mit Griffen oben auf blauem Grund. Vorsicht - die Zeichen sind immer hochstehend angebracht und haben keine richtungsweisende Symbolik. Wir gehen nun zunächst durch den Ort, dann am Großen Forst entlang über den Kugelberg nach Thalfingen abwärts. Der Pilgerweg geht dann am rechtsseitigen lichten Hang weiter, immer begleitet von der Eisenbahn und der Kreisstraße. Links sehen wir bald das Messegelände Ulms an der Donau und wir überqueren die Straße nach Böfingen. Genau dort gehen wir links hinunter, über Hauptstraße zur Donau und nehmen den Uferweg bis uns die Ulmer Stadtmauer rechts begleitet. Durch den Metzgerturm kommen wir zum Münsterplatz mit dem Ulmer Münster, dessen obere Hälfte des höchsten Kirchturmes der Welt (161 m) erst 1880/90 vollendet wurde. Mit 124 m Länge und einer Gewölbehöhe von 41 Metern versteht man die Macht und den Reichtum dieser ehemals Freien Reichsstadt mit ihrem damaligen Gebiet. Wir sind im Zentrum von Ulm.

Womöglich ist auch Martin Luther 1510/1511 den Weg zwischen Nürnberg - Ulm (dann über Lindau) nach Rom gegangen, wie man aus seinen Tischreden schließen kann [2] .

[1] dieser Weg ist bei Gerhilde Fleischer beschrieben: Bd. I.2, (ca. 30 km). Unser Weg ist von Langenau ins Kloster Oberelchingen etwas kürzer, weil die Etappe auf dem HW 4 nicht durch Albeck führt.

[1] Schneider, Hans, Marburg: Nachricht und Karte vom 17.3.2009.